17.11.2008

Jetzt sitze ich hier mit meinem niegelnagelneuen Stethoskop und auskultiere mein Herz. Und ich habe keine Ahnung, wie ich das, was ich da höre, beurteilen soll.

Schon blöd.


Aktuelle Stimmung: Ein wenig Erkenntnis gewonnen. Aber nicht beim Auskultieren.
Hört gerade: Jingle der \"Kurt Krömer Show\"




16.11.2008

Ich muss das einfach mal resümieren, einen Überblick gewinnen, die Spreu vom Weizen trennen. Ja, das muss jetzt einfach sein. Pánta chorei kaì oudèn ménei. Iliadischer Gesang, fast.
Jaja, kennen aber nicht verstehen. Wie hieß es doch so schön: Von der bewussten Kompetenz zur unbewussten. Das ist aber erst der zweite Teil. Ohne Reflektion jedoch vergeht die Zeit im Fluge. Zwei Seiten einer Wahrheit.

Ich musste immer Vor- und Nachteilslisten erstellen. Pädagogische Zwecklosigkeiten, die sich eingeprägt haben. So soll’s sein, so soll’s bleiben.

positiv und ohne Gewichtung:

  • Gestern Abend erst in die Salsa-Bar, dann weiter in die nächste Bar und dann in die Lounge. Ein Wiedersehen. Mit Option auf Kaffee und tiefsinnige Gespräche nächste Woche. Ich mag keinen Kaffee. Tiefsinnige Gespräche umso mehr.
  • Vegetarier auf Probe. Das reichhaltige Mensaessen unterstützt mich in diesem ehrgeizigen Projekt, nur abends wird es schwer. Knackwurst ist halt unschlagbar…
  • Voll investigativem Eifer herausfinden, dass der Körperspender zwei Bypässe erhielt und dass sich wahrscheinlich bei einem MRT die Überreste eines gezogenen Herzkatheters in die Wand der oberen Hohlvene katapultierten – und das obwohl man sich ja eigentlich nur mit den Beinen beschäftigen sollte
  • Die ungekannte Vorfreude auf jeden kommenden Montag, der von nun an stets einen neuen Fall bereithalten wird

negativ und ohne Gewichtung:

  • Wegen Gleisbauarbeiten vierzig Minuten lang in der Kälte ausharren
  • Im Präpsaal realisieren, dass man den gesamten Muskelapparat des Knie- und des Hüftgelenks soeben vergessen hat
  • Zu der Erkenntnis gelangen, dass man sich doch am Ende immer wieder entgegen allen Bemühungen missverständlich ausdrückt, sich wünscht, alles wäre einfacher. Wenigstens ein bisschen.
  • Vermehrt von den Erlebnissen aus dem Zivildienst verfolgt werden. Nicht einschlafen können. Fragen stellen. Auf Antworten hoffen. Das Gefühl gewinnen, dass verdrängte Erlebnisse nicht nur jetzt zur Geißel werden, sondern auch schon damals etwas unwiederruflich zerstörten.
  • Ödematöse, adipöse Beine präparieren; eine spritzige Angelegenheit
  • Angst statt Mut haben, einfach gehen, wenn das Herz bleiben möchte. Chancen verspielen?

Panta rhei. Fluch und Segen.


Aktuelle Stimmung: Wellenschlag auf Wellenschlag
Hört gerade: Ratatat - Wildcat




Morgen wird gepräpt! Zwar „nur“ Haut, oberflächliche Nerven und Gefäße, aber dafür schwinge ich das erste Mal das Skalpell und erforsche die Untiefen der menschlichen Anatomie mit Sonde und Pinzette.

Apropos, ich sollte nicht vergessen, Kittel und Besteck einzupacken. Wär ja sonst jammerschade.


Aktuelle Stimmung: Vorfreude!
Hört gerade: Ratatat - Nostrand




Jetzt liege ich auf der Couch und sitze doch im Sessel daneben. Und ich frage mich aus.

Hätte ich mich noch einmal verabschieden sollen?
Einerseits schon, denn auf gutes Benehmen legen wir beide wert. Zudem wäre es eine Demonstration meines guten Willens gewesen. Andererseits habe ich sie dann nicht mehr gesehen, außerdem muss ich mich doch an die stille Übereinkunft halten.

Wollte ich mich vielleicht gar nicht verabschieden?
Im Gegenteil, mein Innerstes drängte mich danach. So wie auch den ganzen Abend die Zerrissenheit zwischen dem Gefühl, aufdringlich zu sein, und dem sehnlichen Willen, einen kleinen, vorsichtigen Plausch zu wagen.

Sollte das denn so schwer sein?
Es klingt lächerlich, aber ja. Bloß nicht auf der Gegenseite das Gefühl von Aufdringlichkeit oder gar Zwang provozieren, das ist das Gebot der Stunde. Es braucht Zeit. Wenigstens ist das meine glimmende Hoffnung.

Würde ich die Situation bewerten, zu welchem Ergebnis käme ich?
Ein Schuss nach hinten? Vielleicht hätte ich nicht kommen sollen, so muss ich ja doch befürchten, den Verlauf der Sache negativ beeinflusst zu haben. Aber woher hätte ich das wissen sollen? Das ist doch gar nicht ihre Musik. Dachte ich bis gestern.
Ein Spießrutenlauf: links der stechende Drang nach etwas Smalltalk und „Wie geht’s dir?“ und „Schön, dich wieder zu sehen.“; rechts der selbst auferlegte, beißende Zwang, das zarte, zerbrechliche Etwas, was noch übrig geblieben ist, allein durch den Gedanken an meine Anwesenheit zu zerstören.

„Und die Diagnose, Herr Doktor?“
„Das ist nicht schwer. Sie haben starke Ängste, etwas falsch zu machen, Ängste, die sie einengen. Das klingt zunächst sehr hart, ist es aber nicht. Sie machen sich um jedes noch so kleine Detail Sorgen, wollen jeden Parameter ihres Auftretens kontrollieren, um sich keine Vorwürfe machen zu müssen. Doch letztlich können Sie das nicht erreichen und so grübeln Sie noch lange und forschen nach der objektiven Synopse des chaotisch erscheinenden Geschehens; angetrieben von der Sorge, eine nicht gewollte, gar negative Wirkung auf den Gegenüber gehabt zu haben. Ihr Streben nach Harmonie ist so stark, dass es in lähmende Unentschlossenheit umschlägt.“
„Und was schlagen Sie vor?“
„Ich weiß es nicht.“


Aktuelle Stimmung: Stimmungstief.
Hört gerade: Ratatat - Nostrand (in Dauerschleife)




05.11.2008

Wieder ein sehr wichtiges Teil:

Die Schlange im Schatten des Adlers


Aktuelle Stimmung: Hat die Nadel im Heuhaufen gefunden
Hört gerade: Tiger Tunes - Ninja & the fish




Die Ausgangssituation: Eine weltumspannende Wirtschaftskrise hat das Land erschüttert und destabilisiert. Das Vermögen der Firmen und der Bürger ist in Gefahr, die soziale Sicherheit kann längst nicht mehr gewährleistet werden, Arbeitslosigkeit und private Insolvenz verbreiten Angst und Schrecken. Die Spirale zeigt scheinbar unaufhaltsam nach unten.
Und wer ist schuld daran? Na klar, die Regierung, die das alles zugelassen hat. Wie gut, dass bald Wahlen sind, denn auch sonst hat dieses Kabinett viel Unmut hervorgerufen.
Da tritt dann ein Mann auf, der besonders zu sein scheint. Er hat Charisma. Er verspricht, alles zu ändern. Er verspricht wirtschaftliche Stabilität, Steuererleichterungen, Arbeit. Er will jene, die das Volk der Arbeiter seit jeher aussaugen, dafür bestrafen und ein für allemal warnen. Alles soll besser werden, alles soll sich verändern.

Manche Dingen ändern sich nicht.
Es ist erwiesen, dass Menschen in Krisenzeiten blauäugiger, ja in einer unterschwelligen oder vielleicht sogar sehr bewussten Verzweiflung allen natürlichen Verstand und alle Zweifel beim Prüfen der Wahlkandidaten ablegen. Demagogen wissen das. Wie unterschiedlich ihre Motive auch sind, sie wissen, dass ein hilfsbedürftiges Volk sehnsüchtig nach jener Hilfe schreit, die mit viel Herz und Gerechtigkeit „alles verändern“ will.

Manche Dinge ändern sich einfach nicht. Das Amt des 44. Präsident der USA ist besiegelt, es wird Barack Obama sein. Es waren die tosenden Stimmen der jungen Wähler, der Erst- und Zweitwähler, der Bush-Gegner und der Arbeitslosen und sozial Schwachen, die ihm zum mächtigsten Mann des Landes machten. Und dabei kaum etwas mehr von ihrem Heros wussten, als dass er, der Heilsbringer, den lang ersehnten Wandel mitbringen würde. Ein Hochschulrektor sagte einst: „Die Entscheidung […] ist bereits von den jungen Menschen […] getroffen worden.“ Und so war und ist es. Jugendlicher Fanatismus, wie man ihn in den letzten Wochen immer weiter anschwellen sah, diese jugendliche Sehnsucht nach Utopia hat das halbe Land mitgerissen.

Aber wer ist dieses Gespenst Obama? Die meisten seiner Wähler hat das wenig gekümmert. Der Mann, der dort auf dem Podium immer wieder den Wandel beschwor, hat Charisma. „Er ist einer von uns.“ „Er weiß, was wir heute brauchen, damit morgen alles gut wird.“ Und das reicht.
„Bring mir einen Messias und ich werde ihn anbeten.“ Das ist die Quintessenz des durchschlagenden Erfolges dieses 44. Präsidenten der USA.

Es gibt für mich viele Gründe, davon auszugehen, dass dieser Obama in den nächsten vier Jahren sein Land und die Welt in eine tiefere Krise reiten wird, als es Bush geschafft hat. Ich gehe davon aus, dass Obama

  • das Gesundheitssystem nicht durchgreifend reformieren wird,
  • soziale Barrieren nicht abbaut,
  • innerhalb des nächsten Jahres die Europäer stärker in die Pflicht nehmen wird,
  • die Beziehungen zu Russland weiter verschlechtert,
  • eine massive wirtschaftliche Offensive gegen China, vielleicht auf afrikanischem Boden, fährt,
  • den Irak unbefriedet verlassen oder eine instabile Lage zurücklassen wird,
  • Marineeinheiten im Golf von Arabien stationieret,
  • den Iran wenigstens politisch harsch anpacken und provozieren wird und
  • einen neuen Krieg im Nahen Osten, vielleicht in Pakistan oder im Iran, eröffnen wird.

Bei Gelegenheit komme ich darauf zurück.


Aktuelle Stimmung: Logomantie?
Hört gerade: Die goldenen Zitronen - Europäische Außenstellen




Mittlerweile bin ich dem ganzen Wahlkampf um den künftigen Präsidenten der USA überdrüssig und mir immer noch nicht so sicher, ob McCain es wert wäre, gewählt zu werden, damit Obama bloß nicht das Weiße Haus bezieht. Meine Meinung zu letzterem ist ja mittlerweile bekannt; auf die Spitze trieb er es in einem der Wahlkampfduelle, als er tatsächlich sagte, dass man gegenüber Pakistan notfalls auch auf härtere Mittel zurückgreifen müsse, wenn dort nicht bald wirksam gegen die im Norden des Landes sich versteckt haltenden Taliban vorgegangen werde und dass er die Truppen aus dem Irak schnell abziehen wolle, um das Afghanistankontingent massiv auszubauen. Mit anderen Worten: Er würde sich in den offenen Konflikt mit der Atommacht und wichtigstem Partner der Region begeben und zudem den Irak verlassen und damit  ein Machtvakuum schaffen, dass durch islamistisch-militante Gruppen ausgenutzt werden würde.
Bitte, wenn das die Absicht Obamas ist… Blöd nur, dass dadurch die Lage auf dem politischen und wirtschaftlichen Sektor weltweit in die Tiefe stürzen würde – aber hey, auch außenpolitische Anfänger machen nun mal Fehler.

Amüsante Beiträge zum US-amerikanischen Wahlkampf erobern derzeit das Internet. Einer davon sticht besonders hervor. Unbedingt bis zum Schluss schauen!


Aktuelle Stimmung: Gespannt auf morgen
Hört gerade: Einschlägigen Old School Hip-Hop




15.10.2008

[…] when she was a little startled by seeing the Cheshire Cat sitting on a bough of a tree a few yards off.
The Cat only grinned when it saw Alice. It looked good- natured, she thought: still it had very long claws and a great many teeth, so she felt that it ought to be treated with respect.
„Cheshire Puss,“ she began, rather timidly, as she did not at all know whether it would like the name: however, it only grinned a little wider. „Come, it’s pleased so far,“ thought Alice, and she went on. „Would you tell me, please, which way I ought to go from here?“
„That depends a good deal on where you want to get to,“ said the Cat.
„I don’t much care where-“ said Alice.
„Then it doesn’t matter which way you go,“ said the Cat.
„-so long as I get somewhere,“ Alice added as an explanation.
„Oh, you‘re sure to do that,“ said the Cat, „if you only walk long enough.“
Alice felt that this could not be denied, so she tried another question. „What sort of people live about here?“
„In that direction,“ the Cat said, waving its right paw round, „lives a Hatter*: and in that direction,“ waving the other paw, „lives a March Hare**. Visit either you like: they‘re both mad.“
„But I don’t want to go among mad people,“ Alice remarked.
„Oh, you can’t help that,“ said the Cat: „we‘re all mad here. I‘m mad. You‘re mad.“
„How do you know I‘m mad?“ said Alice.
„You must be,“ said the Cat, „or you wouldn’t have come here.“
Alice didn’t think that proved it at all; however, she went on „And how do you know that you‘re mad?“
„To begin with,“ said the Cat, „a dog’s not mad. You grant that?“
„I suppose so,“ said Alice.
„Well, then,“ the Cat went on, „you see, a dog growls when it’s angry, and wags its tail when it’s pleased. Now I growl when I‘m pleased, and wag my tail when I‘m angry. Therefore I‘m mad.“
„I call it purring, not growling,“ said Alice.
„Call it what you like,“ said the Cat. […]
Alice waited a little, half expecting to see it again, but it did not appear, and after a minute or two she walked on in the direction in which the March Hare** was said to live. „I‘ve seen hatters* before,“ she said to herself; „the March Hare** will be much the most interesting, and perhaps as this is May it won’t be raving mad-at least not so mad as it was in March.“ […]

She had not gone much farther before she came in sight of the house of the March Hare**: she thought it must be the right house, because the chimneys were shaped like ears and the roof was thatched with fur. It was so large a house, that she did not like to go nearer till she had nibbled some more of the lefthand bit of mushroom, and raised herself to about two feet high: even then she walked up towards it rather timidly, saying to herself „Suppose it should be raving mad after all! I almost wish I‘d gone to see the Hatter* instead!“

* Regelstudiengang
** Reformstudiengang

Das fasst es recht gut zusammen. Ich bin also im Reformstudiengang (RSM)! Meine Hoffnungen, Wünsche und Träume wurden also wahr und so gehöre ich seit Montag zu den 63 Glücklichen, die in diesem vielversprechenden Studiengang studieren dürfen. Vielversprechend, weil modern und gänzlich unterschiedlich zum alten Regelstudiengang, der ja wegen seines rückständigen didaktischen Ansatzes schon länger in harscher Kritik stand. Vielleicht finde ich ja ein andermal die Zeit, den RSM eingehend zu erklären, bis jetzt kam ich noch nicht dazu und das wird auch noch eine Weile so bleiben…
Heute jedoch stand der sog. „Progress Test Medizin“ im Vordergrund, ein unbenoteter Test auf Absolventenniveau, der von Studierenden des RSM jedes Semester abgelegt werden muss. Richtige Antworten bringen einen Plus-, falsche Antworten einen Minuspunkt. Zudem können die zweihundert nach Organsystemen geordneten MC-Fragen jeweils auch mit „Weiß nicht“ beantwortet werden, wofür null Punkte vergeben werden. Da im Laufe des Studiums immer mehr Fragen beantwortet werden können, lässt sich im Vergleich zum Jahrgang und auch zum Vorjahr feststellen, wo man steht, wobei die Auswertung auch Auskunft darüber gibt, über welche Organsysteme man überdurchschnittlich viel weiß und bei welchen man noch einmal Wissen nachholen sollte.
Naturgemäß musste ich ich etwa 85% aller Fragen mit „Weiß nicht“ beantworten, bei den restlichen war teilweise nach Hin- und Herüberlegen zumindest die Chance groß genug, richtig zu liegen. Eine davon war etwa:

Was kann Anzeichen einer Herzbeuteltamponade sein?
?) Weiß nicht
A) Bradykardie
B) gestaute Halsvenen
C) Beinödeme
D) irgendwas unsinniges

Ich hatte zwar anfangs an Hypotonie gedacht und zunächst Bradykardie angekreuzt, aber mich dann doch für B) entschieden. (Ist das richtig?)
Oder:

Der Ductus arteriosus Botalli ist bei Feten physiologisch und stellt eine Verbindung folgender Gefäße dar:
?) Weiß nicht.
A) Aorta ascendens mit Aorta descendens
B) Aorta descendens mit V. cava sup.
C) V. cava sup. mit A. pulmonalis
D) Aorta ascendens mit A. pulmonalis

Da konnte ich mich noch an D erinnern.
Interessant war allerdings, dass ich im kardiologischen Teil weitaus seltener „weiß nicht“ angekreuzt habe, als bei allen anderen Organsystemen, was zwar nicht heißt, dass diese Antworten auch richtig sind, aber für mich immerhin schon mal ein Fingerzeig ist, in welche Richtung ich vielleicht später mal gehe. Denn irgendwie hat es mir die Kardiologie angetan…

Ich bin gespannt auf die Auswertung, die ist zwar erst in vier bis sechs Wochen fertig, aber vielleicht gibt es dann mehr Aufschluss…


Aktuelle Stimmung: Gespannt!
Hört gerade: Tokyo Police Club - Nurserey Academy